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Älterwerden im Beruf
Karriereberatung 50plus:
Die Krise von Anna S.*), die viel erreicht hatte - und sich nun mit Veränderungen schwer tut
Seit Wochen schwankt Anna (56) zwischen Zweifeln, Bedauern, Sorgen um die Zukunft und innerlichen Appellen
an Geduld, Verstand und Realitätssinn. Doch alles Analysieren und Rationalisieren hilft nicht weiter. Der
Wunsch wächst, morgens wieder mit Freude aufzustehen und sich mit Energie und Tatendrang in die Tagesarbeit
zu stürzen. Zuversicht, Lebensfreude und Lebenssinn, wo sind sie geblieben?
Alles hatte doch gut ausgesehen, vor einem halben Jahr, als Anna sich entschieden hatte, das Angebot für den Wechsel in
eine neu geschaffene Stelle anzunehmen und ihre bisher erfolgreiche Karriere in eine neue Richtung zu steuern.
- Natürlich, es ist nun eine Stabsstelle. Anna hatte nach zehn Jahren die Leitung der Marketingabteilung abgeben müssen.
Es war nicht einfach, sich aus dem pulsierenden Tagesgeschäft zu verabschieden. Doch Annas Vorgesetzter und die
Mitarbeitenden des Marketingteams waren wesentlich jünger als sie. Anna bemerkte den Alters- und Erfahrungsunterschied
deutlich: im Denken, in der Vorgehensweise - und auch in der Arbeitshaltung. Das war für sie nicht immer einfach zu
meistern gewesen.
Der neue Aufgabenbereich war zwar noch nicht klar definiert, versprach jedoch interessante, Annas Berufs-, Betriebs-
und Lebenserfahrung entsprechende und sinnvolle Herausforderungen. Anna sah in der neuen Aufgabe auch den Vorteil,
sich mit weniger Hektik, Stress und kurzfristigem Erfolgsdruck in interessante Projekte vertiefen zu können, zum
Beispiel - längst überfällig - eine Befragung der Mitarbeitenden oder das Einrichten einer Anlaufstelle für Mitarbeitende,
um ihnen bei Fragen und Problemen weiterzuhelfen. Zurzeit erarbeitet Anna Konzepte, Vorschläge und Programme zur Förderung
der Mitarbeitenden und zur Verbesserung der internen Information und Kommunikation. Lauter sinnvolle Aufgaben!
Leider ist jedoch das Echo auf die Früchte ihrer Arbeit lau. Annas Ideen, Vorschläge und Berichte werden zur Kenntnis
genommen - und "schubladisiert". Andere Anliegen und Projekte sind wichtiger und dringender, das leuchtet ein und tut
trotzdem weh. Anna vermisst zunehmend die früher erfahrene Anerkennung und Wertschätzung für ihren stets engagierten Einsatz
und ihre Erfolge. Sie fühlt sich machtlos, nicht ernst genommen, innerlich einsam und isoliert. Es fehlt ihr auch der
Austausch im Team, wie sie ihn früher gekannt hat. So hat sie sich ein reifes und sinnstiftendes allmähliches Älterwerden
im Betrieb nicht vorgestellt!
Anna ist unglücklich. Sie denkt sogar daran, sich extern eine neue Stelle zu suchen. Dies, obwohl sie sehr an "ihrem"
Unternehmen hängt und sich natürlich Sorgen macht, ob sie in ihrem Alter überhaupt noch eine neue Stelle finden würde,
die ihren Fähigkeiten und Interessen entspricht und deren Anforderungen sie genügen kann. Sie möchte eine berufliche und
persönliche Standortbestimmung durchführen und ihre weitere Karriere in den Rahmen einer ganzheitliche Vision ihrer künftigen
Lebensgestaltung stellen. Deshalb beschliesst Anna, sich eine professionelle Beratung zu suchen.
Die Neuorientierung
Anna stellt bereits kurz nach Beginn der Beratung fest, dass sie zunehmend Distanz und neue Einsichten zu ihrer
Person, zu ihrem Umfeld und zu ihrer Situation gewinnt. Das wirkt sich positiv auf ihr Selbstvertrauen und ihr
Wirken am Arbeitsplatz aus. Das Ergebnis des "Sich-frei-Denkens" während der Beratungsgespräche und des
Selbsterforschungsprozesses bei den Hausaufgaben zwischen den Beratungssitzungen zeigt sich in einer zustimmenderen
Wahrnehmung ihrer selbst als älter werdender Mensch und in konstruktiveren Verhaltensweisen und Handlungen. Vorgesetzte
und Arbeitskollegen reagieren darauf entsprechend positiv und unterstützen damit den laufenden Veränderungsprozess.
Anna sieht keine Notwendigkeit mehr, sich mit der Option Stellensuche zu befassen. Im Gegenteil!
Mit frischem Mut und Gelassenheit der Zukunft entgegen
Bei unserer letzten Beratungssitzung knapp drei Monate nach Beginn des Neuorientierungsprozesses fühlt sich Anna befreit
von ihrer Last. Sie ist gelassener geworden, schätzt die positiven Aspekte ihrer Arbeit und ihrer Arbeitsumgebung und
sieht gute Möglichkeiten, ihr Aufgabenportefeuille so umzugestalten, dass es sowohl ihr als auch den Bedürfnissen ihres
Arbeitgebers optimal entspricht. Sie plant sogar, Teile ihrer Aufgaben zu gegebener Zeit in eine selbstständige Tätigkeit
umzuwandeln (Kommunikation intern, extern, lokal bis international). Das würde ihr ermöglichen, nebst einer 50%-Anstellung
in ihrer Firma als Freelance tätig zu werden und allmählich weitere, externe Mandate zu akquirieren. Sie hat schon einige
möglichen Kunden im Auge. Gleichzeitig fühlt sie sich gewappnet für den Fall, dass ihr Arbeitgeber eines Tages auf sie zukommt,
um sich mit ihr über Personalkosten resp. Einsparungen zu unterhalten. Obwohl sie gerne noch für sechs bis sieben Jahre in ihrer
Firma bleiben möchte, erschreckt sie der Gedanke an eine mögliche Frühpensionierung mit 60 Jahren nicht mehr.
Anna strahlt Zuversicht aus und berichtet über betriebliche Ereignisse mit Konfliktpotenzial, die sie recht souverän
bewältigt habe. Früher wäre sie an die Decke gegangen oder in Lethargie versunken, sagt sie. Anna hat auch neue Pläne
fürs Privatleben, sie will ihre Hobbys intensiver pflegen, mehr Sport treiben und sich in humanitären Aufgaben engagieren.
Bei einer Nachbesprechung vier Monate nach Beratungsabschluss berichtet Anna, sie sei nach wie vor "auf Kurs", habe ihre
Energie und Lebensfreude wiedergefunden und sei dabei, ihre Zukunftspläne weiter zu konkretisieren. Sie denkt, dass ihre
Kolleginnen und Kollegen ihre Veränderung spüren und zu schätzen wissen. Sie stellt auch fest, dass sie mit ihrem
Vorgesetzten besser zurecht kommt. Alles in allem also eine erfreuliche Bilanz: Karriere nicht nur gerettet, sondern ein
deutliches Plus an Lebensqualität!
*) Name geändert
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